Veranstaltung: | Rechenschaftsbericht des BDKJ-Bundesvorstands 2024 |
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Berichterstatter*in: | BDKJ-Bundesvorstand |
Status: | Eingereicht |
Eingereicht: | 02.04.2024, 18:44 |
B II.6: Internationale Freiwilligendienste
Text
Das Referat Internationale Freiwilligendienste wird von Benedikt Pees mit einem
Stellenumfang von 100 Prozent besetzt. Das Referat wird durch Engagement Global,
eine Einrichtung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (BMZ), refinanziert.
Der Referent verantwortet gemeinsam mit FID/AGIAMONDO (Fachstelle Internationale
Freiwilligendienste) die Koordination und Geschäftsführung des Katholischen
Verbunds Internationale Freiwilligendienste. Hierzu zählen unter anderem die
Interessensvertretung gegenüber der Politik, in zivilgesellschaftlichen Gremien
und gegenüber weiteren Akteur*innen. Der Referent ist außerdem für die
Koordination des katholischen Konsortiums im weltwärts-Programm zuständig. Dies
erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Förderabteilung des Jugendhaus
Düsseldorf.
Trotz einer Kürzung des BMZ-Haushalts für das Kalenderjahr 2024 wurde der
Haushaltstitel für das weltwärts-Programm 2024 nicht gekürzt. Allerdings haben
die für das Programm bereitgestellten Fördermittel bereits im Jahrgang 2023/24
nicht ausgereicht, um allen Trägerorganisationen eine Bewilligung in der
beantragten Höhe auszustellen.
Aufgrund der weltweit gestiegenen Kosten reicht der Fördersatz in der Nord-Süd-
Komponente nicht mehr aus, um die anfallenden Kosten zu decken. Die weltwärts-
Interessensverbünde sind bereits seit einem Jahr in Gesprächen mit dem BMZ, um
eine Fördersatzerhöhung zu erwirken. Zwar würde dies eine Reduzierung der
Freiwilligenzahlen mit sich bringen, aber die Trägerorganisationen sind bereit,
eine Reduzierung der Freiwilligenzahlen für eine Fördersatzerhöhung in Kauf zu
nehmen. Eine Fördersatzerhöhung könnte frühestens ab dem Jahrgang 2025/26
umgesetzt werden.
Um die finanziell schwierige Situation der Träger etwas abzumildern, wurde im
Herbst 2023 der Leistungskatalog abgeschmolzen. Ab dem Jahrgang 2024/25 ist es
Trägern nun möglich, die Freiwilligen an einem Teil der Kosten (Fahrt-
/Flugkosten oder Taschengeld) zu beteiligen. Diese Regelung widerspricht dem
inklusiven Gedanken des Programms, verdeutlicht aber die finanziell schwierige
Lage der Träger. Diese Maßnahme soll eine Übergangslösung darstellen, das Ziel
ist weiterhin die Umsetzung einer Fördersatzerhöhung.
Ferner ist es ab sofort möglich, die Freiwilligen zum Aufbau eines
Unterstützer*innenkreises zu verpflichten. Dies bedeutet allerdings nicht, dass
die Freiwilligen zum Einbringen von Spenden verpflichtet werden können.
Für die Stabilisierung des Programms und den Erhalt der hohen Qualität und
Diversität an Einsatzstellen ist eine finanziell bessere Ausstattung
unabdinglich. Dafür ist sowohl eine Erhöhung des Haushaltstitels als auch eine
Erhöhung des Nord-Süd-Fördersatzes elementar. Maßnahmen, die den Freiwilligen
auferlegt werden, wie das Tragen bestimmter Kosten, kritisieren wir. Es muss
allen jungen Menschen möglich sein unabhängig ihrer finanziellen Situation einen
weltwärts-Freiwilligendienst zu leisten.
Für die kommenden Jahre sind weitere Kürzungen des BMZ-Haushalts zu befürchten.
Dann wird voraussichtlich auch das weltwärts-Programm von Kürzungen nicht
verschont bleiben. Wir werden uns weiterhin für die Erhöhung von Haushaltstitel
und Fördersatz einsetzen, sowohl in der Kommunikation mit dem BMZ als auch in
der Lobbyarbeit in Richtung Bundespolitik. Gerade jetzt ist es deshalb wichtig,
dass möglichst viele Freiwillige entsendet und aufgenommen werden und die
bereitgestellten Fördergelder möglichst vollständig ausgeschöpft werden.
Erfreulich ist, dass dem katholischen Konsortium für den Jahrgang 2024/25 in
Nord-Süd lediglich ein paar Freiwillige weniger bewilligt worden sind als
ursprünglich beantragt waren. Die bewilligten Mittel decken aber die im Frühjahr
2024 angezeigten Bedarfe der Träger vollständig ab. Auch die Höhe der
Bewilligung für Süd-Nord reicht glücklicherweise aus, um alle angezeigten
Bedarfe der Träger abzudecken.
Der Rückgang der Bewerbungszahlen in der Nord-Süd-Komponente bereitet vor allem
den katholischen Trägern weiterhin Sorge. Außerdem steigen auch aus dem
Katholischen Verbund immer wieder Träger aus dem Programm aus.
Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, sind auch die Verbände gefordert,
sowohl bei jungen Menschen als auch in der Politik für ein Freiwilliges
Internationales Jahr (FIJ) zu werben. Jede Maßnahme, um das FIJ sichtbarer zu
machen, ist dabei hilfreich. In der Bundesstelle müssen wir uns über Maßnahmen
der Kostenreduzierung Gedanken machen.
Auf Programmsteuerungsebene hat der Programmsteuerungsausschuss (PSA), das
Steuerungsgremium im weltwärts-Gemeinschaftswerk, dreimal getagt. Themen im PSA
waren unter anderem die Entwicklung der Freiwilligenzahlen, Optimierung des
Mittelabflusses sowie die Zukunft des Programms. Im Sinne des Gemeinschaftswerks
arbeiten die Interessensverbünde eng mit dem BMZ-Fachreferat und der
Koordinierungsstelle weltwärts (Kww, angesiedelt bei Engagement Global)
zusammen.
Der PSA hat Anfang 2024 ein neues Konzept zur Ehemaligenarbeit verabschiedet.
Neu im Konzept ist die Berücksichtigung der Süd-Nord-Komponente. Hierfür werden
auch Fördermöglichkeiten aufgezeigt.
Außerdem hat der PSA die Vorbereitung der drei Veranstaltungen, die im Rahmen
des weltwärts-Jubiläums veranstaltet worden sind, begleitet. Vor allem das
weltwärts-Festival war ein großer Erfolg: über 1.300 aktuelle und ehemalige
Freiwillige nahmen daran Anfang Juni 2023 in Göttingen teil.
Im Februar 2024 entwickelten Vertreter*innen von BMZ, Kww und der
Interessensverbünde im Rahmen eines Zukunftsworkshops Ideen, welche
Möglichkeiten es gibt, um das Programm auch in den nächsten Jahren zeitgemäß und
auf die Bedarfe junger Menschen zugeschnitten zu gestalten.
Benedikt ist seit zwei Jahren der zivilgesellschaftliche Koordinator des PSA und
übernimmt dadurch für die Zivilgesellschaft federführend die Kommunikation mit
der staatlichen Seite.
Trotz der engen Zusammenarbeit mit der staatlichen Seite bleibt die
Herausforderung, die Position der Zivilgesellschaft zu stärken, weiterhin
bestehen. Außerdem ist es bei allen Entwicklungen auf der
Programmsteuerungsebene wichtig, die Interessen aller am Programm beteiligten
Akteur*innen (Trägerorganisationen, Partnerorganisationen sowie junge Menschen
allgemein) zu berücksichtigen.
Die Lobbytätigkeit für die angemessene Berücksichtigung der Zivilgesellschaft
wird fortgesetzt. Benedikt Pees wird vorerst weiterhin die Koordination des PSA
übernehmen.
Der Gesprächskreis Internationale Freiwilligendienste (GIF) ist ein
Zusammenschluss von ca. 20 Trägern und Dachverbänden, die zu
programmübergreifenden Themen arbeiten und Lobbyarbeit betreiben. Der GIF hat
die Kampagne #meinFIJerhalten Anfang 2023 initiiert und intensiv begleitet. Im
Laufe des Sommers wurden mit den meisten, für die internationalen
Freiwilligendienstprogramme relevanten Bundestagsabgeordneten Gespräche geführt,
um die drohenden Kürzungen abzuwenden. Zusätzlich wurden alle Träger eines FIJ
(weltwärts und/oder Internationaler Jugendfreiwilligendienst (IJFD))
aufgefordert, Gespräche mit den Bundestagsabgeordneten in ihren Wahlkreisen zu
führen. Die Resonanz des Trägerfelds, vor allem der katholischen Träger, fiel
dabei nicht so stark aus wie erwartet. Dies musste durch erhöhte Aktivität des
Kampagnenteams und der Verbünde kompensiert werden.
Die Kampagne hat es geschafft, in der Bundespolitik die Relevanz eines FIJ für
die Gesellschaft darzulegen und eine große Aufmerksamkeit für die FIJ-Programme
zu erzeugen und so einen großen Teil dazu beigetragen, die drohenden Kürzungen
für die beiden FIJ-Programme weltwärts und IJFD abzuwenden bzw. den Fördertitel
zu erhalten. Sie hat gezeigt, dass sich verbünde- und programmübergreifende
Lobbyarbeit auszahlt, aber auch unbedingt von allen Ebenen (sowohl Dachverbände
als auch Träger selbst) getragen werden muss.
Aufgrund der drohenden Kürzungen ab dem Haushaltsjahr 2025 muss auch 2024
weiterhin die Bedeutung vom FIJ in der Politik sichtbar bleiben. Wir appellieren
deshalb an alle Diözesan- und Jugendverbände, auch das FIJ in ihrer politischen
Arbeit zu berücksichtigen und an geeigneter Stelle zu bewerben.
Die Mitglieder des Kath. Verbunds haben sich seit der Hauptversammlung 2023 zwei
Mal zu Trägertagungen getroffen. Bei einem Fortbildungsteil beschäftigten sich
die Teilnehmer*innen mit machtkritischen Perspektiven auf Seminararbeit.
Außerdem tauschten sich die Teilnehmer*innen mit den Trägern der katholischen
Inlands-Freiwilligendienste zu gemeinsamen Themen wie Incoming oder dem
katholischen Profil von Freiwilligendiensten aus. Im Rahmen der Trägertagung im
Herbst 2023 tagte außerdem die Mitgliederversammlung der Gütegemeinschaft
Internationaler Freiwilligendienst, der externen Prüfinstanz des katholischen
Trägerfelds, und beschloss ihre Auflösung aufgrund von mangelnden Ressourcen
innerhalb des Kath. Verbunds. Außerdem wurde über die Anpassung des
Mitgliedsbeitrags für den Kath. Verbund diskutiert, um verbundübergreifende
Initiativen wie die Kampagne #meinFIJerhalten sowie die FIJ-Initiative
finanzieren zu können.
Die Präsenztagungen boten eine gute Möglichkeit für die Teilnehmer*innen, sich
untereinander zu vernetzen. Es wurden aber auch träger-, verbund- und
programmübergreifende Herausforderungen gemeinsam bearbeitet. Bei den Tagungen
hat sich wieder mal gezeigt, dass viele dieser Herausforderungen nur gemeinsam
angegangen werden können. Der Kath. Verbund bietet dafür gute Strukturen. Die
Stärkung dieser Strukturen sollte weiter von allen Trägerorganisationen
vorangetrieben werden. Für das Voranbringen gemeinsamer Themen, wie
beispielsweise das Entwickeln eines Profils des Kath. Verbunds, oder das Angehen
von verbunds- und programmübergreifenden Herausforderungen (z. B. Rückgang an
Bewerbungen, finanzielle Ausstattung), aber auch zum kollegialen Austausch
bieten die Präsenztagungen einen guten Rahmen.