A1NEU2: Kinder- und jugendgerechte Gesellschaftsvision des BDKJ: So stellen wir uns eine kinder- und jugendgerechte Gesellschaft vor
Veranstaltung: | BDKJ-Hauptausschuss November 2024 |
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Status: | Eingereicht |
Eingereicht: | 09.11.2024, 16:28 |
Antragshistorie: |
Veranstaltung: | BDKJ-Hauptausschuss November 2024 |
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Status: | Eingereicht |
Eingereicht: | 09.11.2024, 16:28 |
Antragshistorie: | Version 1 |
Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind die Gegenwart und Zukunft für
unsere Demokratie. Daher ist klar: Es braucht Investitionen in junge Menschen -
nicht erst morgen, sondern heute! In einer kinder- und jugendgerechten,
solidarischen Gesellschaft stehen die Bedürfnisse und Anliegen junger Menschen
im Mittelpunkt. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene werden konsequent an
Entscheidungsprozessen beteiligt. Dabei ist es wichtig, ihnen auf Augenhöhe zu
begegnen, aktiv zuzuhören und sie ernst zu nehmen. Als BDKJ setzen wir uns für
eine Gesellschaft ein, in der junge Menschen bestmögliche Rahmenbedingungen
vorfinden, um gut & glücklich aufzuwachsen.
1. Beteiligend & selbstbestimmt
2. Gesund & glücklich
3. Vielfältig & geschlechtergerecht
4. Antifaschistisch & aktiv gegen Diskriminierung
5. Armutsfest & chancengerecht
6. Digital kompetent & teilhabegerecht
7. Wertschätzend, ehrenamts- & engagementstärkend
8. Nachhaltig & klimagerecht
9. Global vernetzt & solidarisch
Kinder und Jugendliche sind Expert*innen ihrer Selbst. Politik und Gesellschaft
haben den Anspruch, die Stimmen von jungen Menschen in ihrer Vielfalt zu stärken
und ihnen auch institutionell eigenständige Entscheidungen zu ermöglichen. In
einer kinder- und jugendgerechten Gesellschaft sind Kinder, Jugendliche und
junge Erwachsene in politische Prozesse eingebunden. Ihre Forderungen werden
ernst genommen. Es gibt ein institutionalisiertes Mitspracherecht für junge
Menschen in Politik, Kirche und Gesellschaft durch dauerhaft angelegte,
geeignete Beteiligungsformate. Jugendverbände, die die Interessen von Kindern,
Jugendlichen und jungen Erwachsenen vertreten, sind bedarfsgerecht finanziert.
Das bedeutet für uns:
Gesundheit ist essenziell für das Wohlbefinden und Aufwachsen junger Menschen.
In Kindheit und Jugend werden wichtige Grundlagen für die zukünftige Gesundheit
gelegt. In einer kinder- und jugendgerechten Gesellschaft stellen umfassende
Maßnahmen des Kinder- und Jugendschutzes sicher, dass junge Menschen gewaltfrei,
sicher und gesund aufwachsen. Die Entwicklung sozialer Kompetenzen, Resili ein
verantwortungsvoller Umgang mit den eigenen Kräften und Grenzen bei Kindern,
Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird als wichtige gesundheitsfördernde
Ressource erkannt und gezielt gefördert. Junge Menschen haben Zugang zu gesunden
Lebensmitteln, ausreichender Bewegung, einer sauberen Umwelt sowie
niedrigschwelligen Angeboten zur Stärkung der mentalen Gesundheit. Das bedeutet
für uns:
In einer kinder- und jugendgerechten Gesellschaft ist Vielfalt nicht nur ein
Schlagwort, sondern gelebte Praxis. Es ist selbstverständlich, gesellschaftliche
Vielfalt als Bereicherung wertzuschätzen, gängige Normen sowie die eigene
Haltung immer wieder zu hinterfragen, einander mit der Offenheit zu begegnen und
voneinander lernen zu wollen. Junge Menschen haben - unabhängig von
geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung, sozialem Status,
ökonomischen Voraussetzungen, Bildungshintergrund, ethnischer/ kultureller
Herkunft sowie kognitiven und körperlichen Fähigkeiten – gerechte Chancen, gut
aufzuwachsen und sich frei zu entfalten. Das bedeutet für uns:
In einer kinder- und jugendgerechten Gesellschaft werden junge Menschen vor
Diskriminierung geschützt und zugleich befähigt und empowert, eine gerechte
Gesellschaft mitzugestalten. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit hat hier
keinen Platz. Für Menschen allen Alters ist es selbstverständlich, aktiv gegen
Diskriminierung einzustehen, klare Kante gegen Rechtsextremismus,
Antisemitismus, Antifeminismus und andere Formen von Menschenfeindlichkeit zu
zeigen und sich mit marginalisierten Gruppen zu solidarisieren. Das Miteinander
ist von Empathie, Mut und einem demokratischen Gemeinschaftsgefühl geprägt, das
alle Generationen miteinander verbindet. Das bedeutet für uns:
In einer kinder- und jugendgerechten Gesellschaft wird gesellschaftliche
Teilhabe allen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in ihrer Vielfalt
gleichermaßen ermöglicht. Chancen junger Menschen werden nicht durch ihre
sozioökonomische Herkunft bestimmt. Es gibt keine Strukturen mehr, die junge
Menschen dazu zwingen, ihren Fokus und ihre (Aus-)Bildung auf die Erwerbsarbeit
auszurichten. Vielmehr kann Bildung von Kindern, Jugendlichen und jungen
Erwachsenen als ganzheitliches Konzept wahrgenommen werden. Sie wachsen in einem
unterstützenden Umfeld auf, das die individuelle Entwicklung fördert und ihre
Potenziale entfaltet. Materielle Sicherheit ist für alle gewährleistet. Alle
jungen Menschen haben die Freiheit, ihr Leben selbstbestimmt und
eigenverantwortlich zu gestalten. Das bedeutet für uns:
Junge Menschen wachsen in einer sich immer weiter digitalisierenden Welt auf.
Die Unterscheidung zwischen Digitalem und Analogem spielt in ihren Lebenswelten
oft keine Rolle mehr. Deshalb ist Digitalpolitik immer auch
Gesellschaftspolitik. In einer kinder- und jugendgerechten Gesellschaft ist
Teilhabegerechtigkeit für junge Menschen an, in und durch digitale Räume
sichergestellt.[9] Technische, materielle, soziale, rechtliche und politische
Zugangsvoraussetzungen ermöglichen dies. Politische Entscheidungen werden daran
gemessen, inwieweit sie einen Rahmen schaffen, der das gewährleistet. Kinder,
Jugendliche und Erwachsene können sich souverän, selbstbestimmt und sicher in
analogen und digitalen Räumen bewegen, einbringen und weiterentwickeln. Das
bedeutet für uns:
Junge Menschen wachsen in einer sich immer weiter digitalisierenden Welt auf. Die Unterscheidung zwischen Digitalem und Analogem spielt in ihren Lebenswelten oft keine Rolle mehr.Junge Menschen wachsen in einer zunehmend digitalisierten Welt auf, in der Digitales und Analoges oft selbstverständlich ineinander übergehen. Deshalb ist Digitalpolitik immer auch Gesellschaftspolitik. In einer kinder- und jugendgerechten Gesellschaft ist Teilhabegerechtigkeit für junge Menschen an, in und durch digitale Räume sichergestellt.[9] Technische, materielle, soziale, rechtliche und politische Zugangsvoraussetzungen ermöglichen dies. Politische Entscheidungen werden daran gemessen, inwieweit sie einen Rahmen schaffen, der das gewährleistet. Kinder, Jugendliche und Erwachsene können sich souverän, selbstbestimmt und sicher in analogen und digitalen Räumen bewegen, einbringen und weiterentwickeln. Das bedeutet für uns:
Kinder und Jugendliche wollen sich einbringen und engagieren. Das zeigen sie in
ihrem persönlichen Umfeld und in der Jugendverbandsarbeit, an ihren Schulen,
Ausbildungsstätten und Hochschulen, in ihren Einsatzstellen im
Freiwilligendienst, als freiwillig Wehrdienstleistende und auch in der Politik.
In einer kinder- und jugendgerechten Gesellschaft wird das Engagement junger
Menschen wertgeschätzt und gefördert. Das bedeutet für uns:
In einer kinder- und jugendgerechten Gesellschaft sind Klimaschutz, soziale
Gerechtigkeit und Generationengerechtigkeit untrennbar miteinander verwoben. Die
Bewahrung der Schöpfung, ein sorgsamer Umgang mit den natürlichen Ressourcen und
der Einsatz für eine weltweit nachhaltige und gerechte Entwicklung sind
selbstverständlich. Handlungsleitend ist das Bewusstsein, dass jeder Mensch
heute und in Zukunft das gleiche Recht hat, die Atmosphäre und eine gesunde
Umwelt zu nutzen, ohne sie zu belasten. So wird sichergestellt, dass Klimaschutz
und soziale Gerechtigkeit für alle Menschen Wirklichkeit werden. Um dem
entgegenzuwirken, dass insbesondere junge Menschen im Globalen Süden, die am
wenigsten zur dreifachen planetaren Krise beitragen und dennoch am stärksten
unter ihren Folgen leiden, stärken internationale Partnerschaften eine globale
nachhaltige Entwicklung und setzen sich für die Umsetzung der Agenda 2030 ein,
die gerechtere Lebensverhältnisse für alle schafft. Klimaschutz ist
Generationengerechtigkeit.[14] Das bedeutet für uns:
Junge Menschen wachsen in einer globalisierten und vernetzten Welt auf. Um sich
mit den Prozessen von Globalisierung auseinanderzusetzen, können alle jungen
Menschen internationale Erfahrungen sammeln, insbesondere im Rahmen von
Jugendbegegnungen. Diese fördern Solidarität, Versöhnung, den Einsatz für die
Demokratie und das Engagement für soziale Gerechtigkeit. Menschen allen Alters
ist bewusst, dass wir nicht losgelöst von anderen leben können. Eine kinder- und
jugendgerechte Gesellschaft stellt das Wohl aller jungen Menschen in den Fokus
und sorgt für gleiche Chancen auf Bildung, Sicherheit und Teilhabe, sowie
Vernetzung und Solidarität, von der alle jungen Menschen profitieren. Das
bedeutet für uns:
[2] In der UN-Kinderrechtskonvention wird Partizipation als Grundrecht aller
Kinder und Jugendlichen festgeschrieben.
[4] s. BDKJ-Beschluss: Geschlechterparität in allen deutschen Parlamenten –
jetzt (2019): Wir setzen uns für eine umfassende Gleichberechtigung aller
Geschlechter ein. Die Geschlechterparität von Frauen und Männern ist darum für
uns nur der erste - längst überfällige - Schritt. Wir werden die Debatte
weiterführen und voranbringen mit dem Ziel, das binäre Geschlechtermodell
perspektivisch hinter uns zu lassen. Wir setzen uns ein für die
Gleichberechtigung im Grundgesetz und in allen Lebensbereichen, explizit auch
für Menschen, die sich nicht im binären Geschlechtermodell verorten.
[5] Dazu gehört, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) um
Diskriminierungskategorien zu erweitern, die die Lebensrealitäten junger
Menschen in ihrer Vielfalt abbilden und auch denjenigen Schutz bieten, die
aufgrund ihres sozialen Status, ihrer Sprache, ihrer Staatsangehörigkeit, einer
chronischen Krankheit, ihres Körpergewichts oder ihrer familiären
Fürsorgeverantwortung diskriminiert werden. Zudem wird Artikels 3 des
Grundgesetzes um das Diskriminierungsmerkmal sexuelle Identität erweitert.
Zugleich wird dort der Begriff „Rasse” gestrichen.
[7] s. hierzuBDKJ-Beschluss:Aus christlicher Überzeugung für Demokratie! Wir
zeigen klare Kante gegen die extreme Rechte und rechten Populismus(2024).
[8] s. BDKJ-Beschluss: Die Würde des Menschen ist bedingungslos – Für eine
zukunftsfähige Gesellschaft (2023).
[9] s. BDKJ-Beschluss: Digitale Teilhabegerechtigkeit für junge Menschen (2024)
sowie BDKJ-Beschluss: Teilhabe, Lebenswelt und Digitale Mündigkeit – unsere
digitalpolitischen Grundhaltungen (2018).
[10] s. hierzu 25. General Comment, der die vier Grundprinzipien der
Kinderrechtskonvention aufgreift und daraus Forderungen für den digitalen Raum
ableitet, nämlich: Nichtdiskriminierung, Vorrang des Kinderwohls, Recht aus
Leben, Überleben und Entwicklung und Berücksichtigung der Perspektive des
Kindes.
[16] s. hierzu BDKJ-Beschluss:Menschen schützen – Gewalt überwinden – Frieden
nachhaltig stärken (2023).
[17] s. hierzu BDKJ-Beschluss: Feministische Entwicklungspolitik – Eine Frage
von Gerechtigkeit (2024).