| Veranstaltung: | Rechenschaftsberichte zur Hauptversammlung 2026 |
|---|---|
| Berichterstatter*in: | BDKJ-Bundesvorstand |
| Status: | Eingereicht |
| Angelegt: | 23.03.2026, 12:00 |
B II.7: Internationale Freiwilligendienste
Text
Das Referat Internationale Freiwilligendienste wird von Benedikt Pees
mit einem
Stellenumfang von 100 Prozent besetzt. Das Referat wird durch
Engagement Global
(EG), eine Einrichtung des BMZ, refinanziert.
Das Referat verantwortet gemeinsam mit FID/AGIAMONDO die Koordination
und
Geschäftsführung des Katholischen Verbunds Internationale
Freiwilligendienste.
Hierzu zählen unter anderem die
Interessensvertretung gegenüber der Politik, in
zivilgesellschaftlichen
Gremien und gegenüber weiteren Akteur*innen. Das Referat
ist außerdem
für die Koordination des katholischen Konsortiums im weltwärts-
Programm
zuständig. Dies erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der
Förderabteilung
des Jugendhaus Düsseldorf.
Das weltwärts-Programm wird über den Haushaltstitel Entsende-
und
Austauschdienste des BMZ finanziert. Im Haushaltsjahr 2026 haben sich
die
Kürzungen des BMZ-Haushalts auch auf diesen Haushaltstitel
ausgewirkt, sodass er
um 8,3 Prozent von 47 Millionen EUR auf 43,12
Millionen EUR gekürzt wurde. Trotz
Anstrengungen durch die
Zivilgesellschaft konnte die Kürzung nicht verhindert
werden. Das
weltwärts-Programm besitzt innerhalb des Haushaltstitels das
größte
Finanzvolumen. Dementsprechend ist die Kürzung hier am stärksten
zu
spüren.
Als Folge der Kürzung haben das BMZ und EG gemeinsam mit
den
zivilgesellschaftlichen Interessenverbünden der Träger
verschiedene
Sparmaßnahmen beraten und beschlossen. Die großen und kleinen
Maßnahmen
haben das Ziel, die Entsende- und Aufnahmezahlen trotz der
Kürzung
stabil zu halten. Demzufolge werden im Jahrgang 2026/2027 alle
freien
Mittel in die Weiterleitungsverträge für die Träger fließen.
Der
Mitteleinsatz für Programmbegleitmaßnahmen sowie Partnerkonferenzen
wird
vorerst stark reduziert, können aber hoffentlich teilweise zu
einem
späteren Zeitpunkt im Jahr durch Rückflussmittel finanziert
werden.
Außerdem wurde das Verfahren zur Finanzierung
der
Gesundheitsuntersuchungen für die Freiwilligen umgestellt. Künftig
werden
diese Ausgaben nicht mehr als Förderung beantragt, sondern erst
nach Anfallen
der Kosten von der Koordinierungsstelle weltwärts (Kww)
direkt erstattet. Dies
hatte zwar zur Folge, dass Träger im Herbst 2025
kurzfristig einen
aktualisierten Bundesmittelantrag stellen mussten.
Aber dadurch kann EG den
Mitteleinsatz flexibler und bedarfsgerechter
gestalten, sodass im Idealfall bis
zu 500.000 EUR mehr für das Programm
verausgabt werden können. In den letzten
Jahren wurden diese Mittel
nämlich meist zu spät an das Programm zurückgegeben,
welches sie
wiederum an das Bundesfinanzministerium (BMF) zurückgeben
musste.
Zusätzlich ist es wahrscheinlich, dass im Laufe des Jahres
weitere
Fördermittel an das Programm zurückfließen, die in weitere
Entsendungen
und Aufnahmen fließen können. Dafür ist aber Flexibilität der
Träger
gefragt, um gegebenenfalls auch spontan weitere Entsendungen
oder
Aufnahmen umzusetzen.
Eine große Änderung im Programm wird die Umstellung der
Finanzierungsform auf
eine Festbetragsfinanzierung darstellen, die ab
dem Jahrgang 2027/28 gelten
wird. Die aktuell noch gültige
Finanzierungsform ist eine Mischung aus Anteils-
und Vollfinanzierung.
Von der Umstellung erhoffen wir uns eine Reduktion der
Komplexität sowie
geringeren administrativen Aufwand für alle Akteure. Bei
der
Ausarbeitung des Finanzierungskonzepts haben staatliche
und
zivilgesellschaftliche Akteure konstruktiv und intensiv
zusammengearbeitet.
Wir kritisieren die Kürzung des weltwärts-Haushaltstitels,
die sich nicht nur in
diesem Kalenderjahr auf das Programm und alle
seine Akteure auswirkt. Wir mahnen
außerdem an, dass die Kürzung eine
Abwärtsspirale in Gang setzen kann. Denn
aufgrund der Förderlogik des
Programms können Fördergelder nie vollständig
abfließen. Dies sendet
wiederum das Signal an den Bund, dass weniger
Fördergelder benötigt
werden, sodass eine Kürzung scheinbar sinnvoll ist.
Wir begrüßen hingegen, dass Entsendungen und Aufnahmen
aufgrund der gesunkenen
Haushaltsmittel vorrangig finanziert werden.
Auch begrüßen wir, dass
Einsparmaßnahmen identifiziert und umgesetzt
worden sind. Positiv hervorzuheben
ist, dass die Zivilgesellschaft
weitestgehend in den Prozess eingebunden war.
Wir weisen aber auch
darauf hin, dass Programmbegleitmaßnahmen ein wichtiges
Instrument zur
Qualitätsentwicklung sind. Einsparungen bei diesen werden
langfristig
sinkende Qualität verursachen. Nicht nur deshalb, sondern auch
aufgrund
der oben beschriebenen Abwärtsspirale müssen wir sicherstellen, dass
der
Haushaltstitel in den nächsten Jahren keine weiteren Kürzungen
erfährt.
Internationale Freiwilligendienste müssen als Teil
der
Freiwilligendienste mitgedacht und nicht gegeneinander ausgespielt
werden.
Wir setzen uns deshalb für eine stabile Finanzierung nicht nur
der Inlands-
Freiwilligendienste, sondern aller Freiwilligendienstformate
ein.
Im kommenden Jahr besteht die Herausforderung darin, sich für das
Programm,
gegen eine weitere Kürzung in den folgenden Haushaltsjahren,
einzusetzen. Dafür
sind alle Akteur*innen im Programm gefragt. Neben der
Lobbyarbeit, sowohl für
das weltwärts-Programm als auch für einen
Rechtsanspruch, müssen wir versuchen,
die zur Verfügung stehenden
Fördermittel möglichst vollumfänglich auszuschöpfen,
da wir so die
richtigen Signale an die Bundespolitik geben können, dass das
Programm
finanziell langfristig gesichert werden muss.
Das katholische Konsortium ist im Jugendhaus Düsseldorf angesiedelt
und wird von
zwei Mitarbeiter *innen des Jugendhaus Düsseldorf e. V.
sowie dem Referenten in
der BDKJ-Bundesstelle koordiniert. Das
Jugendhaus Düsseldorf arbeitet in diesem
Bereich eng mit der
Katholischen Zentralstelle für Globale Entwicklung (KZE)
zusammen.
Dem katholischen Konsortium wurden für den Jahrgang 2026/2027 ca. 25
Prozent
weniger Mittel bewilligt als ursprünglich beantragt worden sind.
Zwar haben sich
zwischen Antragsstellung und März 2026 die
Fördermittelbedarfe der Träger für
die Nord-Süd-Komponente reduziert,
allerdings reichen weder in Nord-Süd noch in
Süd-Nord die zur Verfügung
stehenden Mittel zum aktuellen Zeitpunkt nicht aus,
um alle Bedarfe
abzudecken. Die Kww hat aber signalisiert, dass sie eventuell zu
einem
späteren Zeitpunkt weitere Mittel für Entsendungen und Aufnahmen
zur
Verfügung stellen kann.
In Nord-Süd haben die Träger neben den schon seit Längerem
bestehenden
Herausforderungen in diesem Jahr mit dem fast vollständig
ausbleibendem
Abiturjahrgang in Nordrhein-Westfalen eine weitere
Herausforderung, die das
Finden von Freiwilligen erschwert. In Süd-Nord
stellen weiterhin nicht
bewilligte Visa und auch langwierige Prozedere
durch die deutschen Botschaften
die größte Herausforderung dar.
Nachdem die Kww dem Konsortium in den letzten Jahren viele neue
administrative
Auflagen gegeben hatte, hat das Jugendhaus Düsseldorf
(dort ist das katholische
Konsortium angesiedelt) gemeinsam mit dem
evangelischen Konsortium im Juni 2025
ein konstruktives Gespräch mit der
Kww geführt. Ziel war es, einen
bürokratiearmen Umgang mit den neuen
Auflagen zu finden, die allen Akteuren
möglichst viel
Handlungsfreiheiten einräumen.
Sowohl die administrativen als auch die finanziellen
Herausforderungen verlangen
allen Akteur*innen im Programm viel ab. Dank
der guten Vernetzung und
Zusammenarbeit mit den anderen
zivilgesellschaftlichen Akteur*innen sowie der
konstruktiven
Zusammenarbeit mit der staatlichen Seite konnten wir
Lösungen
erarbeiten, mit denen wir den Herausforderungen angemessen
begegnen
können.
Auch im kommenden Jahr bleibt die große Herausforderung, die
Zahlen im
weltwärts-Programm stabil zu halten. Dies erfordert von allen
Akteur*innen
sowohl Mehrarbeit als auch Flexibilität, damit wir
möglichst alle
bereitgestellten Fördermittel auch für das Programm
nutzen können. Denn ein
guter Mittelabfluss ist das beste Argument für
die Lobbyarbeit.
Der Programmsteuerungsausschuss (PSA) stellt das Steuerungsgremium im
weltwärts-
Gemeinschaftswerk dar. Dieser setzt sich zusammen aus
Vertreter*innen von BMZ,
Kww und den zivilgesellschaftlichen
Interessensverbünden (IV) sowie
Vertreter*innen der Politischen
Freiwilligenvertretung Internationaler
Freiwilligendienste (PFIF).
Der PSA hat im Berichtszeitraum zweimal getagt und
sich vor allem
intensiv mit möglichen Sparmaßnahmen im Programm und der Rolle
von
weltwärts in der Wehrdienst- / Wehrpflichtdebatte beschäftigt.
Außerdem hat der PSA im letzten Jahr ein Pilotprojekt zur
besseren
Ausfinanzierung von kürzeren Diensten beschlossen. Diese sind ab dem
1.
Januar 2026 möglich und werden auch von einigen katholischen Trägern
im
kommenden Jahrgang umgesetzt.
Benedikt Pees (Referent für Internationale Freiwilligendienste) ist
seit vier
Jahren der zivilgesellschaftliche Koordinator des PSA und
übernimmt dadurch für
die Zivilgesellschaft federführend die
Kommunikation mit der staatlichen Seite
sowie die Koordination der
Zivilgesellschaft.
Auf Programmsteuerungsebene hat sich die Zusammenarbeit
zwischen
Zivilgesellschaft und Staat in den letzten Jahren intensiviert.
An manchen
Stellen ist es allerdings nach wie vor herausfordernd, der
staatlichen Seite den
Druck, dem viele Träger ausgesetzt sind,
verständlich zu machen.
Angesichts der komplexen Themen ist es wichtig, dass ein
regelmäßiger und
intensiver Austausch mit der staatlichen Seite erfolgt,
damit auch
internationale Freiwilligendienste in den großen politischen
Debatten um eine
mögliche Wehrpflicht und die Rückkehr des Zivildienstes
berücksichtigt werden.
Der Gesprächskreis Internationale Freiwilligendienste (GIF) ist
ein
Zusammenschluss von ca. 20 Trägern und Dachverbänden, die
zu
programmübergreifenden Themen arbeiten und Lobbyarbeit betreiben. Der
GIF
setzt sich intensiv für einen Rechtsanspruch auf einen
Freiwilligendienst ein
und ist auch im Rahmen des
Wehrdienstmodernisierungsgesetzes (WDModG) aktiv, um
sicherzustellen,
dass internationale Freiwilligendienste berücksichtigt werden.
Daneben
hat der GIF im letzten Jahr verstärkt Lobbyarbeit für das
weltwärts-
Programm betrieben.
Trotz des ausbleibenden Erfolgs in der Lobbyarbeit für das
weltwärts-Programm im
vergangenen Jahr konnten viele neue Kontakte zu
Bundestagsabgeordneten geknüpft
werden, sodass wir in diesem Jahr daran
anknüpfen können. Erfolgreich hingegen
war die Sensibilisierung für die
Bedeutung internationaler Freiwilligendienste
in der Wehrdienst-/
Wehrpflichtdebatte.
Angesichts des hohen Drucks, unter dem die
Entwicklungszusammenarbeit (EZ) und
auch das weltwärts-Programm als
solches steht, muss die Lobbyarbeit in den
kommenden Monaten
intensiviert werden, um drohende Kürzungen zu verhindern. Eine
weitere
Aufgabe besteht darin, zu bewirken, dass
internationale
Freiwilligendienste als Alternative zum Wehrdienst sichtbar
beworben und
auch bei der Novellierung des Zivildienstgesetzes berücksichtigt
werden.
Hierfür wird die Unterstützung von allen Akteur*innen benötigt,
um
möglichst flächendeckend für internationale Freiwilligendienste
lobbyieren zu
können.
Die FIJ-Initiative ist die verbünde- und programmübergreifende
Initiative, die
als Ziel hat, das FIJ als Marke zu etablieren, die für
wertebasierte
internationale Freiwilligendienste von gemeinnützigen
Trägern steht. Die
Initiative ist aktiv in Öffentlichkeitsarbeit und in
der Ansprache von
Multiplikator*innen, sie wird verantwortet vom
GIF.
Im vergangenen Jahr hat die FIJ-Initiative gemeinsam mit weltwärts
die GoWorld-
Messe in verschiedenen Städten organisiert. In einem
Zukunfts-Workshop, an dem
auch Trägervertreter*innen teilnahmen, wurde
die künftige Ausrichtung der
Initiative geprüft und festgelegt. Vor
allem wurde entschieden, dass die
Initiative stärker mit der Lobbyarbeit
des GIF verbunden werden muss, um
Synergien besser nutzen zu können.
Die träger- und programmübergreifende Öffentlichkeitsarbeit
ist wichtig, um auch
außerhalb der Reichweite der Träger für ein FIJ zu
werben. Die teilnehmenden
Träger des Workshops haben wertvolle Impulse
zur Weiterentwicklung der
Initiative gegeben.
Wir erhoffen uns von der Verzahnung von Lobbyarbeit und
Öffentlichkeitsarbeit
große Synergiegewinne. Damit können wir
hoffentlich auch als internationale
Freiwilligendienste an den
entscheidenden Stellen der großen politischen
Debatten sichtbar
werden.
Der Katholische Verbund ist der Zusammenschluss der katholischen
Träger
internationaler Freiwilligendienste. Er wird vom Referenten der
BDKJ-
Bundesstelle gemeinsam mit den Kolleg*innen von FID/AGIAMONDO
koordiniert.
Die Mitglieder des Katholischen Verbunds haben sich seit der
Hauptversammlung
2025 zwei Mal zu Trägertagungen in Präsenz getroffen.
Neben Berichten haben sich
die Teilnehmer*innen vor allem über die
Bedeutung von Wehrdienst und Wehrpflicht
für die internationalen
Freiwilligendienste informiert und ausgetauscht.
Außerdem war ein
Relaunch der trägerübergreifenden Website ein Thema.
Das Angebot des Katholischen Verbunds, sich auszutauschen, zu
vernetzen und
gemeinsam fortzubilden, wird von vielen Trägern gerne
angenommen. Die
Rekordanmeldezahlen für die Trägertagungen sowie die
Bereitschaft der Träger, in
Gremien und Arbeitsgruppen mitzuwirken,
zeigt dies sehr deutlich. Wir danken
allen Trägermitarbeiter*innen
herzlich für ihr Engagement.
